Die ersten eindruecke

Die ersten Tage war ich einfach überwältigt von so vielen Eindrücken. Irgendwie war alles anders, die Schrift,die
Sprache,die Häuser, die Menschen, die Kultur, die Gärten, das Wetter – und ich mittendrin.

Was mir als erstes krass entgegenschlug war die Tatsache das ich wieder neu lesen lernen muss. Denn neben der Sprache ist hier auch die Schrift anders. In Bulgarien schreibt man so , wie man es auch aus Russland kennt. Kyrillisch. So würde man “Soester Anzeiger” hier in Bulgarien “Зостер Анцайгер” heissen und ich heisse Бьорн. Sieht erstmal schwierig aus, allerdings kommt man recht schnell dahinter.Gottseidank ist fast alles Wichtige auch in der uns bekannten lateinischen Schrift umschrieben. Ich hatte vorher schon ein paar Worte Bulgarisch gelernt, die ich aber dank der sehr komplexen bulgarischen Grammatik fast nirgendwo wiederfinden konnte.Das Nächste was mir aufgefallen ist das Stadtbild. Neben kastenartigen Mehrfamilienhäusern gibt es in Bulgarien das superlativ des Begriffes Wohnblock. Alle Möglichkeiten, Wohnungen zu stapeln wurden hier ausprobiert und miteinander kombiniert. Lange Blocks, hohe Blocks, neue und alte Blocks. Ich würde schätzen das 75 Prozent aller Wohnungen in der Stadt in Häusern mit mehr als 5 Parteien sind. In anderen Städten vielleicht sogar noch mehr, da Tarnovo eine ausgeprägte, erhaltene
Altstadt hat. In Ruse a.d. Donau zum Beispiel habe ich kaum kleinere Häuser gesehen. Allerdings stehen alle Häuser hier im Land sehr frei,mit grossem Abstand zueinander,das relativiert das Stadtbild wieder einwenig. Einkaufen ist toll! Alle 50 Meter findet man hier ein Tante-Emma Lädchen, vollgepackt mit Dingen des täglichen Bedarfs, es gibt einen ganzjährig und täglich offenen Markt an dem das jeweils aktuelle aus Feld und Garten angeboten wird. Im Zentrum gibt es eine grosse Einkaufsmeile mit Geschäften aller Art, Cafes und Restaurants. Und wenns doch mal etwas mehr sein soll gibt’s ja immernoch CBA oder Kaufland. Was
es nicht gibt, sind all die Discounter *. Würde auch keinen Sinn machen, bei den Preisen die’s hier sowieso schon gibt. Das hat mich umgehauen am Anfang. Essen im guten Restaurant mit 2 Personen und Getränken kost’ gerade mal 10 Euro. Mit dem gleichen Geld kann man schon mehr als gut für den Tag Einkaufen und sich für 30 Euro komplett neu einkleiden.
Das auf der anderen Seite der Bulgarische Durchschnittsverdienst aber bei 300 euro merkt man dennoch an jeder Ecke, viele Autos, Häuser und manch eine Hose stammen noch aus den Zeiten vor der Wende, und beim Einkaufen merkt wie jeder Pfennig drei mal gedreht wird. Bei der jüngeren Generation ist es etwas anders, man kann ruhig mit 3-4 Leuten auf einem Zimmer wohnen, nur eine kleine Mahlzeit essen aber dafür die ganze Freizeit gut gekleidet und gestyled in Strassencafees sitzen, reden und flirten. Was noch auffällt, wenn man in eine bulgarische Stadt kommt ist die hohe Anzahl von Taxen. Allgegenwertig ist der
gelbe Schwarm von Mittelklassewagen der einen für kleines Geld durch die Gegend fährt. Anfahrtkosten 40 Cent, 30 Cent pro Kilometer, 1 Minute stehen 40 cent. Wer begibt sich da noch freiwillig auf Parkplatzsuche?!? Günstiger ist nur der Bus, der einen für 30 Cent quer durch die Stadt bringt. Die einzigen die laufen müssen sind ich, wenn meine Frau meint ich muss abnehmen und die vielen Strassenhunde und -katzen die wie selbstverständlich mit der Stadtbevölkerung durch die Strassen marschieren, auf einer Matte oder einem alten Karton vor ihrem Lieblingsgeschäft liegen oder vor dem Zebrastreifen auf eine günstige
Gelegenheit warten, um die Strasse zu überqueren

Ich denke das umschreibt meinen ersten Eindruck und ein paar Unterschiede von hier und da ganz gut.

Dieser Artikel wurde von mir im Orginal fuer den Leserblog der Zeitung “Soester Anzeiger” geschrieben und ist dort im Juli 2010 Veroeffentlicht worden. Die hiesige Veroeffentlichung ist zurueckdatiert, um sie in die Zeitlinie einzupassen

*[Update] : 2010 hat LIDL Fillialen in Bulgarien eroeffnet.

Meine Ankunft in Bulgarien

Ich möchte diesen Blog mit einem kleinen Rückblick beginnen, um auch die Anfänge meines Lebens am Balkan angemessen darzustellen….

3.September 2008,gefühlte 12.00 Uhr bulgarischer Zeit,

Kalafat(Rumänien) :

Kilometerstand ~2100Km von Lohne

5 Tage sind wir nun schon mit dem alten vollgepackten Peugeot und der Zeltplane unterwegs, gerade eben haben uns eine handvoll halbstarker Roma um unser Kleingeld erleichtert,und die Warnleuchte für das Stromversorgen im Auto hat gestern Abend auch schon Alarm erschlagen.Egal. Wir,also Yana und ich, befahren gerade die Donau-Fähre, die uns nach Bulgarien übersetzt. In 100,vielleicht auch 200 Metern Entfernung kann ich einige Häuser,Uferböschung und einen Fähranleger sehen: Bulgarien.Endlich. Die in mir aufkeimenden Gefühle von Freude, Neugier und auch ein bisschen Angst werden begleitet von den schmutzigen Witzen eines norwegischen Motoradtouristen, der nichtmal wusste, wohin die Fähre fährt.
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